

Über die Uhr
Die Glashütte Spezimatic RP TS 200, erste Generation, kam nach den Versuchen und Erfahrungen mit dem Messing-Taucheruhren Ende 1968 auf den Markt. Während das Zifferblatt in Form und Aufbau beibehalten wurde, wurde auf ein neues Gehäuse aus Edelstahl gesetzt, welches aus der BRD bezogen wurde. Die erste bekannte Erwähnung im bekannten Design fand in der DDR Fachzeitschrift „Uhren und Schmuck“ Ausgabe 8/1968 statt (siehe Bild nachfolgend).

Die Uhr wurde an Mitglieder der militärischen KSK 18 Spezialkräfte ausgegeben, war aber auch anderweitig beziehbar (zB hochrangige Militärs oder Funktionäre). In den freien Handel kam sie scheinbar nie. Die RP TS 200 war die erste, und mit ihrer Nachfolgerin im Kissengehäuse, auch einzige echte Taucheruhr aus DDR Produktion.
Die Angabe der hergestellten Uhren bezieht sich derzeit nur auf Schlussfolgerungen aus den bekannten Uhren und deren Seriennummer.
| Herstellungsjahr | 1968-1974 |
| Anzahl hergestellter Uhren | ca. 2000 Stück |


Der heute verwendete Name der Uhr leitet sich einmal selbstredend von Glashütte als Uhrenhersteller, vom Gehäusehersteller Richard Pfisterer (RP), der Bezeichnung Tauchsport (TS) und der garantierten Tiefe (200m) ab. In einem RP Katalog gab es dazu folgende Annonce:

In der DDR wurde die Uhr einfach als „Taucheruhr – spezimatic“ angeboten.


Gehäuse
Als Mitte der 1960er Jahre die wasserdichte Taucheruhr bei Glashütte entwickelt wurde, gab es keine wasserdichten Gehäuse aus DDR Produktion. Daher wurden für die RP TS 200 Edelstahl Gehäuse von der Firma Richard Pfisterer (RP) aus der BRD importiert. Warum man keine eigene Produktion wasserdichter Gehäuse aufgebaut hat konnte noch nicht ermittelt werden. Möglicherweise war die geplante Stückzahl zu gering und daher ein Import der Gehäuse gegen Devisen rentabler.
| Breite Gehäuse | 35,9mm |
| Breite über Lünette | 36,5mm |
| Länge des Gehäuses | 43,7mm |
| Höhe des Gehäuses | 12,6mm |
| Bandanstöße | 18mm |
| Material | Edelstahl |
| Gehäusehersteller | Richard Pfisterer, Pforzheim (RP) |
| Tauchtiefe | 200m |
Die Flanken des Gehäuses sind mit einem Streifenschliff versehen, die obere Seite der Uhr ist poliert.


Zifferblatt
Das Zifferblatt ist im typischen Taucheruhr-Layout der Zeit gestaltet, mit großen Ziffern und Indizes. Bekannt ist diese Variante des Zifferblattes vor allem aus Frankreich (u.a. Le Forban Sécurité Mer, siehe Bild).

Ziffern und Indizes sind mit Tritium belegt. Mutmaßungen es handele sich um Radium, konnte vom Autor mit Hilfe eines Geigerzählers nicht belegt werden. Der schwarze Lack des Zifferblattes ist zumindest bei der Variante inklusive Minuterie glänzend, bei späteren Varianten matt.
Der obere Teile ist geprägt durch den bekannten Glashütte Schriftzug, darunter „SPEZIMATIC“. Der untere Teil nennt „26 RUBIS“ und „SHOCKPROOF“. Rechts ist das Datumsfenster, umrand von einem weißen Feld. Versionen ohne Datum sind nicht bekannt.
Mindestens drei Versionen des Zifferblattes sind die für Hornvariante der RP TS 200 bekannt. Einmal mit Minuterie um die Ziffern, einmal ohne (siehe Bilder) und dann mit „Made in GDR“ rechts und links neben der 6. Die ersten beiden wurden bei der Firma TH. Müller in Pforzheim hergestellt, das „Made in GDR“ Blatt möglicherweise in der DDR selbst. Auffällig sind hier auch die Abweichungen im „Glashütte“ Schriftzug (durchaus üblich und kohärent mit anderen Spezimatic Blättern aus der Zeit) und die stark grüne Lume der Leuchtziffern.



Um die Zeit besser ablesen zu können, wurde der Sprengring, der das Glas fest im Gehäuse hält, mit einer Minutenskala und Leuchtpunkten alle fünf Minuten bedruckt.
Die Rückseite des Zifferblattes aus BRD Produktion ist schwarz lackiert.


Lünette
Von der Lünette gibt es bisher drei bekannte Varianten. Die häufigste davon ist klassisch gehalten, mit einer Minuterie von 0 bis 60, wobei die Zehnerschritte immer als Zahl abgebildet werden. Auf 12 Uhr findet sich ein Dreieck, welches mit Tritium belegt ist. Im Vergleich zu anderen RP Gehäusen ist das Dreieck mit harten Kanten geformt.


Das Material der Lünette ist Messing, die Einlage ist aus transparentem Plastik (mglw. Bakelit).
Die zweite Variante ist aus Plastik. Derzeit ist noch zu klären ob es sich hierbei um eine Service Lünette handelt, oder ggf. um eine frühe Variante. Auf einem Beschreibungsblatt aus Glashütte (Vermutlich für Händler, da in diversen Sprachen) Ist die RP TS 200 genau mit dieser Lünette abgebildet. Auch hier zählt die Minuterie von 0 auf 60 hoch, wobei die Zehnerschritte als Zahlen dargestellt sind. Das Dreieck auf 12 Uhr ist in einfachem Weiß und ohne Leuchtfarbe gehalten.


Die Dritte Variante der bekannten Lünetten ist ebenfalls in diversen Publikationen abgebildet. Dabei ist die Skalierung nur von 0 bis 15 in Einminutenschritten dargestellt, danach werden nur noch 5 Minuten Schritte abgebildet. Auf 12 Uhr gibt es ein Dreieck mit einem Leuchtpunkt. Das Material scheint Messing mit einer Aluminium-Einlage zu sein.


Zeiger
Auch die Zeiger folgen dem Beispiel zeitgenössischer Taucheruhren aus Frankreich. Insbesondere der Minutenzeiger ist als Pfeilzeiger ausgelegt. Alle Zeiger sind mit Tritium belegt (Radium konnte nicht nachgewiesen werden bei Test mit dem Geigerzähler), auch der Lollipop-Sekundenzeiger.

Oftmals findet man Zeiger späterer „wasserdichter“ Uhren aus Glashütte auf den Uhren. Insbesondere der markant dickere Sekundenzeiger ist dabei auffällig.
(Bild wird nachgereicht)
Zifferblatt und Zeiger haben oft stark unterschiedliche Farben. Während die Zifferblätter eher eine gebliche Lume haben, sind die Zeiger oft stark grün. Das könnte damit zusammen hängen, dass die Zifferblätter aus der BRD bezogen wurden, während Zeiger aus DDR-Produktion (Ruhla) kamen. Unterschiedliche Lume Rezepturen und Herstellungsverfahren führen zu unterschiedlichen Farben.
Unterstützt wird diese Theorie, da die einheimisch produzierten Zifferblätter mit „Made in GDR“ Aufdruck, ebenfalls stark grüne Lume der Ziffern aufweisen (siehe Bilder unter „Zifferblatt“)



Bodendeckel
Der gedrückte Bodendeckel ist wie das Gehäuse aus Edelstahl gefertigt. Offensichtlichstes Merkmal und namensgebender Teil ist das RP Logo (Richard Pfisterer) in der Raute und darunter liegenden TS 200 Schriftzug. Dieser verweist auf die Tauchtiefe von 200m, ebenso wie das 20 ATÜ im oberen Bereich des Deckels. Darunter findet sich die Seriennummer, die entweder vierstellig oder sechsstellig ist (im zweiten Fall immer mit vorangehender 0, siehe Bilder)
Eine Auflistung bekannter Seriennummern sind unter „Rollcall“ verzeichnet.
Umrand im radialen Layout finden sich noch die Bezeichnungen „WATERPROOF“ (Wasserdicht), „SHOCKPROOF“ (Stoßgesichert) und „EDELSTAHL“.
Des weiteren gibt es diverse Uhren mit Sonderprägungen auf dem Deckel, wie z.B. „Vom Minister f. Nat. Vert. der DDR“.
| SN Nummerkreis 1 (beobachtet) | 2000-2900 |
| SN Nummerkreis 2 (beobachtet) | 000100 – 001099 |




Krone
Die Krone ist nicht verschraubbar und hat die Maße 5,65mm x 2,9mm. Die Krone weist kein Logo oder spezielles Muster auf.

Uhrwerk
Beim Uhrwerk handelt es sich um das bewährte Spezimatic Kal. 75 mit Datum. Das Werk ist kaum verziert und silbern gehalten. Das Werk wurde von 1964 bis 1979 rund 3,7 Millionen mal gebaut und war das Standardwerk Ost-Deutscher Automatikuhren.

Wissenwertes
- Nutzung der Uhr durch das KSK 18 nachgewiesen, siehe Bilder unten
- Folgende Serials kommen aus KSK 18 Nutzung: 2001,
- Nummer 2035 wurde zu Testzwecken an Bediensteten der NVA ca. 1970 ausgegeben. Er sollte die Uhr tragen und über Mängel oder ausfälle Protokoll führen. Mängel gab es seinerzeit nicht. Uhr verblieb beim „Tester“
- Auch andere Militärische Angehörige wurden mit der Uhr ausgestattet oder konnten diese beziehen (z.B. Flottillen Kapitäne, Mod-Schützen Kommandeure etc.)
- Auch andere Bezugsquellen müssen möglich gewesen sein, ein freier Verkauf im DDR Handel scheint aber ausgeschlossen (Verkauf nur auf Bezugsschein)
- Als Armband kam ein Tropic-Sport ähnliches Gummiband zur Verwendung, das in der DDR produziert wurde
Bilder aus der militärischen Verwendung





Beispiel eines Fullset aus 1972
(dank an Walter für die Bilder)




