Spezimatic RP TS 200 (2.Gen)

Glashütte Spezimatic mit Edelstahl-Kissengehäuse

Über die Uhr

Die Glashütte Spezimatic der Zweiten Generation mit Edelstahl-Kissengehäuse kam 1974 auf den Markt. Sie folgte damit nahtlos der Variante mit Hörnern und nahm stilistisch die angesagte Form der Zeit auf. Auch diesmal kam das Gehäuse wieder aus der BRD von der Firma Richard Pfisterer aus Pforzheim.

Seriennummern wurden nunmehr nicht mehr auf das Gehäuse geprägt, was das Nachvollziehen des Produktionsvolumens unmöglich macht.

Laut Aussagen von ehemaligen KSK 18 Mitgliedern ist die Glashütte Taucheruhr im Kissengehäuse die Uhr, die am häufigsten von den Tauchern genutzt wurde.

Herstellungsjahr1974-1979
Anzahl hergestellter Uhrenunbekannt, vermutlich 2.000

Der heute verwendete Name der Uhr leitet sich einmal selbstredend von Glashütte als Uhrenhersteller, vom Gehäusehersteller Richard Pfisterer (RP), der Bezeichnung Tauchsport (TS) und der garantierten Tiefe (200m) ab. In einem RP Katalog gab es dazu folgende Annonce:

Gehäuse

Auch die Gehäuse der zweiten Generation der Spezimatic Taucheruhren wurden von der Firma Richard Pfisterer aus der BRD importiert. Generell gilt sie als die bessere Taucheruhr im Vergleich zur ersten Generation. Der auffälligste Unterschied zur Vorgängeruhr sind die fehlenden Hörner, die einem Kissengehäuse gewichen sind.

Im Gegensatz zum Vorgänger sind nicht alle Spezimatic Uhren mit diesen Gehäuse bis 200m wasserdicht. Dies gilt nur für die Referenz RP TS 200. Uhren mit der Referenz 7007/26.5 waren vermutlich nur bis 60m Tauchtiefe ausgelegt, da mehr als 60m Tauchtiefe auch nicht von den Kampfschwimmern gefordert wurde (siehe Auszug Dienstvorschrift KSK-18 und Fullset einer 7007/26,5 mit entsprechenden Papieren).

Breite Gehäuse36,1mm
Breite über Lünette36,5mm
Länge des Gehäuses43mm
Höhe des Gehäuses12,6mm
Bandanstöße18mm
MaterialEdelstahl
GehäuseherstellerRichard Pfisterer, Pforzheim (RP)
Tauchtiefe200m bzw. 60m

Der obere Teil des Gehäuses ist mit einem Sonnenschliff versehen, die Flanken der Uhr sind dagegen poliert.

Zifferblatt

Das Zifferblatt orientiert sich an dem der Vorgängeruhr mit Hörnern oder nutzt die selben Zifferblätter sogar weiter. Dabei wird auf das Zifferblatt mit der Minuterie verzichtet, alle Blätter sind mit schlechte reflektierenden, mattem Lack versehen.

Ziffern und Indizes sind mit Tritium belegt. Mutmaßungen es handele sich um Radium, konnte vom Autor mit Hilfe eines Geigerzählers nicht belegt werden.

Der obere Teile ist geprägt durch den bekannten Glashütte Schriftzug, darunter „SPEZIMATIC“. Der untere Teil nennt „26 RUBIS“ und „SHOCKPROOF“. Rechts ist das Datumsfenster, umrand von einem weißen Feld. Versionen ohne Datum sind nicht bekannt.

Auch für die RP TS 200 in Kissenform sind mindestens drei Versionen des Zifferblattes bekannt. Einmal die beiden bekannten Zifferblätter, die auch schon beim Vorgänger Verwendung fanden: Große mit Lume belegte Zahlen und „Made in GDR“ rechts und links neben der 6, als auch ohne den Verweis auf die Herkunft.

Als weitere Variante kommt ein Blatt hinzu, wo das „Made in GDR“ direkt unter der 6 gedruckt ist.

Ein als Minuterie verwendeter Sprengring ist bei den Taucheruhren mit Kissengehäuse nicht mehr verwendet worden. Daher ist es schwerer, die genaue Uhrzeit abzulesen.

Die Rückseite des Zifferblattes aus BRD Produktion ist schwarz lackiert.

Lünette

Von der Lünette gab es bei der Kissen Variante nur noch eine Verbauform und ist identisch mit der „Bakelit“ Lünette der Vorgängeruhr. Die Lünette ist klassisch gehalten, mit einer Minuterie von 0 bis 60, wobei die Zehnerschritte immer als Zahl abgebildet werden. Auf 12 Uhr findet sich ein Dreieck, welches mit Tritium belegt ist. Im Vergleich zu anderen RP Gehäusen ist das Dreieck mit harten Kanten geformt.

Das Material der Lünette ist Messing, die Einlage ist aus transparentem Plastik.

Zeiger

Die Zeiger folgten dem Beispiel zeitgenössischer Taucheruhren aus Frankreich und veränderten sich im Vergleich zur Vorgängeruhr nicht. Insbesondere der Minutenzeiger ist als auffälliger Pfeilzeiger gestaltet. Alle Zeiger sind mit Tritium belegt (Radium konnte nicht nachgewiesen werden bei Test mit dem Geigerzähler), auch der Lollipop-Sekundenzeiger.

Zifferblatt und Zeiger haben oft stark unterschiedliche Farben. Während die Zifferblätter eher eine gebliche Lume haben, sind die Zeiger oft stark grün. Das könnte damit zusammen hängen, dass die Zifferblätter aus der BRD bezogen wurden, während Zeiger aus DDR-Produktion (Ruhla) kamen. Unterschiedliche Lume Rezepturen und Herstellungsverfahren führen zu unterschiedlichen Farben.

Unterstützt wird diese Theorie, da die einheimisch produzierten Zifferblätter mit „Made in GDR“ Aufdruck, ebenfalls stark grüne Lume der Ziffern aufweisen (siehe Bilder unter „Zifferblatt“)

Bodendeckel

Der gedrückte Bodendeckel ist wie das Gehäuse aus Edelstahl gefertigt. Offensichtlichstes Merkmal und namensgebender Teil ist das RP Logo (Richard Pfisterer) in der Raute und darunter liegenden TS 200 Schriftzug. Dieser verweist auf die Tauchtiefe von 200m, ebenso wie das 20 ATÜ im oberen Bereich des Deckels. RP Logo und TS 200 Schriftzug sind größer als bei der Vorgänger-Uhr (siehe Vergleichsbild).

Umrandend im radialen Layout finden sich noch die Bezeichnungen „WATERPROOF“ (Wasserdicht), „SHOCKPROOF“ (Stoßgesichert) und „EDELSTAHL“.

Darüberhinaus gibt es für die Uhr mit Kissengehäuse noch eine weitere Variante mit der Beschriftung 7007/26.5.

Krone

Die Krone ist nicht verschraubbar und hat die Maße 5,65mm x 2,9mm. Die Krone weist kein Logo oder spezielles Muster auf.

Uhrwerk

Beim Uhrwerk handelt es sich um das bewährte Spezimatic Kal. 75 mit Datum. Das Werk ist kaum verziert und silbern gehalten. Das Werk wurde von 1964 bis 1979 rund 3,7 Millionen mal gebaut und war das Standardwerk Ost-Deutscher Automatikuhren.

Mit dem Auslaufen des Werkes wurde auch die Spezimatic Taucheruhr als solche eingestellt und fand somit 1979 ihr Ende.

Wissenwertes

  • Nutzung der Uhr durch das KSK 18 nachgewiesen
  • Als Armband kam ein Tropic-Sport ähnliches Gummiband zur Verwendung, das in der DDR produziert wurde
  • Verkauf nur auf Bezugsschein (zB über MFS, das ein Kontingent über die Uhren hatte), z.B. bei speziellen Uhrmachern in Berlin

Bilder aus der militärischen Verwendung