Spezimatic Vorserien Taucheruhr

Glashütte Spezimatic Vorserien-Taucheruhr

Über die Uhr

Nach den ersten positiven Tests auf Kuba 1967 wurden die Erfahrungen ausgewertet und flossen in ein Vorserien-Modell der Spezimatic Taucheruhr ein.

Dabei wurde das Gehäuse der Firma Karl Rexer aus Pforzheim beibehalten und vor allem das Zifferblatt noch einmal komplett überarbeitet. 100 Vorserien-Uhren gingen an die Volksmarine, wo sie an die jeweiligen Einheiten zum Test verteilt wurden.

Laut eines alten Glashütte Uhrmachers gingen alle 100 Uhren auf Grund von Wassereinbrüchen ans Werk zur Vernichtung zurück. Das macht die Uhr heute besonders selten, da nur einige diesem Schicksal entgehen konnten – „Die Uhr die es nicht geben sollte“.

Erst nach diesem Test wurde das Gehäuse von Richardt Pfisterer eingekauft bzw. wurde entschieden das hochwertigere zu nehmen

Herstellungsjahr1968
Anzahl hergestellter Uhrenca. 100

Gehäuse

Das Gehäuse der Vorserien Uhren wurde von der Firma Karl Rexer in Pforzheim hergestellt, ist noch gänzlich aus verchromten Messing und etwas schmaler als die spätere Serienversion. Auch unterscheidet sich die Form gänzlich. Das Gehäuse ist auf der Rückseite nicht nur mit einem Schraubdeckel verschlossen, sondern hat noch einen zusätzlichen Staubdeckel. Ob dieser positiven Einfluss auf die Wasserdichte hat, kann derzeit noch nicht gesagt werden.

Das Gehäuse hat den Taucher-Alltag in Bezug auf Dichtheit leider nicht meistern können, alle 100 Vorserien Uhren gingen Undicht und teilweise verrosteten Werken zurück nach Glashütte.

Breite Gehäuse36,0mm
Breite über Lünette35,6mm
Länge des Gehäuses44,0mm
Höhe des Gehäuses12,1mm
Bandanstöße18mm
MaterialVerchromtes Messing
GehäuseherstellerKarl Rexer, Pforzheim (KR)
Tauchtiefevermutlich 50m

Die Firma Karl Rexer wurde ab 1967 Generalvertreter für alle DDR Uhren in der BRD (KAREX). Es kann also durchaus sein, dass die Gehäuse im Tausch gegen Uhren aus der DDR in eben selbige gelangten. Vergleichbare Gehäuse sind durchaus aus BRD-Uhren bekannt.

Zifferblatt

Erstmalig wurde bei dieser Uhr das bis zur RP TS 200 der zweiten Generation genutzte Zifferblatt eingeführt.

Die großen Ziffern und Indizes sind mit Tritium belegt. Mutmaßungen es handele sich um Radium, konnte vom Autor mit Hilfe eines Geigerzählers nicht belegt werden.

Der obere Teile ist geprägt durch den bekannten Glashütte Schriftzug, darunter „SPEZIMATIC“. Der untere Teil nennt „26 RUBIS“ und „SHOCKPROOF“. Rechts ist das Datumsfenster, umrandt von einem weißen Feld. Versionen ohne Datum sind nicht bekannt.

Für die Vorserien Uhr ist nur die eine Blatt-Variante bekannt.

Lünette

Die Lünette der Vorserienuhr war gänzlich aus Plastik ohne leuchtendes Dreieck auf 12 Uhr. Die Lünette ist klassisch gehalten, mit einer Minuterie von 0 bis 60, wobei die Zehnerschritte immer als Zahl abgebildet werden. Die Minuterie ist im Plastik versenkt und mit weißer Farbe ausgefüllt (welche leider schnell abgerieben wurde).

Zeiger

Die Zeiger folgten dem Beispiel zeitgenössischer Taucheruhren aus Frankreich. Insbesondere der Minutenzeiger ist als auffälliger Pfeilzeiger gestaltet. Alle Zeiger sind mit Tritium belegt (Radium konnte nicht nachgewiesen werden bei Test mit dem Geigerzähler), auch der Lollipop-Sekundenzeiger.

Bodendeckel

Der geschraubte Bodendeckel ist im Gegensatz zum Gehäuse aus Edelstahl gefertigt. Im Zentrum des Deckels sind ein ins Wasser springender Schwimmer / Taucher, die Sonne und ein Fisch dargestellt.

Umrandend im radialen Layout finden sich die Bezeichnungen „WATERPROOF“ (Wasserdicht), „ANTIMAGNETIC“ (Antimagnetisch) und „STAINLESS STEEL BACK“ (Edelstahlboden).

Der Deckel weißt sechs Vertiefungen für den Gehäuseöffner auf.

Staubdeckel

Eine Besonderheit der Vorserien-Taucheruhr ist der integrierte Staubdeckel hinter dem eigentlichen Schhraubdeckel. Ob er nur dem Sauberhalten des Werkes diente oder der Dichtheit der Uhr zuträglich war ist bisher nicht bekannt. Im Vergleich zu anderen bekannten Staubdeckeln hat dieser eine kleine Aussparung, die auch nur an einer Position im Gehäuse passt (gegenüber der Krone).

Der Staubdeckel weißt keine weiteren Markierungen auf.

Krone

Die Krone ist nicht verschraubbar und hat die Maße 5,6mm x 3,4mm. Die Krone weist kein Logo oder spezielles Muster auf. Die Form ist eher Klassisch gehalten und unterscheidet sich dadurch signifikant von den nachfolgenden Kronen.

Uhrwerk

Beim Uhrwerk handelt es sich um das bewährte Spezimatic Kal. 75 mit Datum. Das Werk ist kaum verziert und silbern gehalten. Das Werk wurde von 1964 bis 1979 rund 3,7 Millionen mal gebaut und war das Standardwerk Ost-Deutscher Automatikuhren.

Die vorliegende Uhr hat den Werkscode 683, was auf das Jahr 1968 schließen lässt. Es ist anzunehmen das alle Vorserienuhren einen Werkscode mit diesem Jahr haben sollten.

Wissenwertes

  • Wurde zum Testen an die Volksmarine geschickt, dort Verteilung an die Tauchenden Einheiten
  • Alle Exemplare gingen soweit bekannt mit diversen Defekten zurück nach Glashütte
  • Uhr dürfte es eigentlich nicht mehr geben, da Verschrottung angeordnet
  • Vermutlich haben einige Glashütte Mitarbeiter die Uhren „aussortiert“, ggf. kamen auch nicht alle Uhren zurück
  • Mindestens ein Exemplar ist auch im Glashütter Uhrenmuseum vorhanden