Das KSK-18 (Kampfschwimmerkommando 18) ist der wohl bekannteste Abnehmer der Glashütter Taucheruhren gewesen. So vorherrschend im heutigen Bild, das oftmals behauptet wird, die Taucheruhren wurden ausschließlich an das KSK-18 geliefert. Das dem nicht so ist, ist bei der jeweiligen Uhr beschrieben. Kurzum, mit allein rund 4.000 produzierten Uhren allein der Spezimatic Modelle, wäre das KSK ein viel zu kleiner Abnehmer der Uhren gewesen.
Nichtsdestotrotz war das Kampfschwimmerkommando ein wichtiger Nutzer der Uhren, wurden sie doch hier sicher an ihre Belastungsgrenzen gebracht, oder manchmal auch darüber hinnaus.
Das Kampfschwimmerkommando 18 wurde 1958 gegründet und war eine der wenigen Spezialeinheiten in der NVA. Da über das KSK-18 an sich schon ausreichend geschrieben wurde, möchte ich mich auf die Verwendung von Armbanduhren (insbesondere aus Glashütte) konzentrieren und die Informationen darum.
Vieles basiert auf den Erinnerungen von Thomas König, selbst ehemaliger Kampfschwimmer, der mir mit Rat und Tat zur Seite stand und die eine oder andere Anekdote zum Besten gab.
Eine davon war zum Beispiel die Geschichte um die ersten Uhren, an die sich er oder seine Kameraden erinnern können. Dabei handelt es sich nicht um Uhren aus Ostdeutscher Produktion, sondern um Schweizer Uhren der Marke Tissot. Genauer um das Modell Seastar T.12, welches eine besonders wasserdichte Uhr der Schweizer Marke war.

Die 12 im Namen stand dabei für die Wasserdichtigkeit bis 120m (12 ATM / Atmosphären) und damit ausreichend wasserdicht für den Einsatz beim KSK.
Heutige Taucheruhren müssen nach DIN 8306 mindestens bis 200m wasserdicht sein.
Das KSK-18 hat für sich in der Dienstvorschrift aber selbst eine maximale Tauchtiefe von 60m definiert, womit die 120m der Tissot genügend waren. Dies erklärt auch die vielen Missverständnisse um die späteren Taucheruhren aus Glashütte, die nur bis 60m garantierte Wassertiefe auswiesen.

Erstmals (zumindest meines Wissens nach) wird hierbei die Dienstvorschrift des Kampfschwimmerkommandos öffentlich gemacht.
Laut Thomas König wurden auch die 60m nie erreicht. Er selbst erinnert sich an 55 Meter, was aber seiner Meinung nach schon grenzwertig war.
Nach der Tissot kamen wohl erstmal 1968 Taucheruhren aus Glashütte in die Erprobung zum KSK-18. Das hier beschriebene Modell hatte bei den Tests nicht gut abgeschnitten und fast alle Uhren gingen mit Wasserschaden zurück nach Sachsen.

Ursächlich waren vermutlich die günstigen, verchromten Gehäuse. Laut eines Uhrmachers der für den VEB Glashütte tätig war, dürfte es heute gar keine überlebenden Uhren dieser Sorte mehr geben, da sie verschrottet werden sollten.
1969 kamen dann die ersten Glashütter Taucheruhren mit Edelstahlgehäusen zum KSK-18. Wobei sie wie eingangs angedeutet nicht exklusiv fürs KSK gebaut wurden, sondern allgemein alle Truppenteile mit Wasserberührung und die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) ausstatten sollten.

Aber auch auf anderen Wege konnten diese Uhren ans Handgelenk kommen. So wurden zum Beispiel dem MdI (Ministerium des Inneren) 5 Uhren zugeteilt, die bezogen werden konnten. Allgemein konnte die Uhr nur auf Bezugschein erworben werden.
Interessant ist hierbei noch die Gravur auf dem Deckel, die eine Art Seriennummer darstellt. Dabei konnten zwei Variante identifiziert werden: einmal beginnend ab 200x bis 2900 und dann von 000100 bis (vermutlich) 001099. Warum es zwei verschieden Varianten gibt ist noch nicht ganz zu Ende geforscht, allerdings ist es keine Aussage darüber ob es eine beim Militär, respektive KSK genutzte Uhr war oder nicht. Beide Varianten waren laut Erinnerung von König in der Truppe genutzt. Da bei der späteren Ruhla Kampftaucher direkt in der Nomenklatur mit anführender 000 begonnen wurde, gehe ich davon aus, dass die ersten Uhren in der 2xxx Variante ausgegeben wurden und später auf das 00xxxxx System umgestellt wurde.
Auch wenn das KSK-18 mit der Glashütte Spezimatic RP TS 200 endlich eine wasserdichte Uhr aus Ostdeutscher Produktion hatte, so war sie alles andere als zuverlässig.
Egal ob Spezimatic oder Spezichron, alle Varianten fielen durch ihre hohe Ausfallrate auf. Wasser drang in die Uhren ein und zerstörte dabei die Werke.

Laut Königs Erinnerungen gab es dafür direkt erste Hilfe in der Truppe. Hatte eine Uhr einen Wasserschaden, ging sie erstmal zu Jimmy Bäcker, dem „Uhrensachverständigen“ (aber nicht nur, er kümmerte sich generell um das Material). Bäcker war selber ehemaliger Kampfschwimmer und blieb als Zivilist den Kameraden treu. Undichte Uhren wurden zuerst „unter die Lampe“ gelegt um zu trocknen. Liefen sie wieder, kam der Deckel drauf und die Uhr wurde zurück an den Träger gegeben.
Lief sie nicht wurde entweder das Werk vor Ort gewechselt, oder die Uhr ging zurück nach Glashütte. Das passierte wohl einmal im Jahr, wo alle hoffnungslosen Kandidaten den Weg Richtung Sachsen antraten.
Waren die Uhren selbst über das Stadium hinaus, so war Bäcker auch derjenige der die Uhren im Schraubstock direkt zerstörte.
Warum sie vernichtet wurden kann nur vermutet werden. Vielleicht wollte man diese Uhren nicht außerhalb der Truppe sehen, auch nicht kaputt.
Das besonders auf die Uhren geachtet wurde, sieht man auch daran, das einige Uhren in der Volksmarine mit einem weißen Punkt auf dem Zifferblatt versehen wurden, in dem VM stand. Die Zugehörigkeit wurde damit klar gemacht.
In anderen Truppenteilen als den KSK, wurden die Uhren auch gern mal lange vor Dienstzeitende durch den Vorgesetzten zurückverlangt, so das es gar nicht erst zu einem Diebstahl kommen konnte.
Beim KSK selber waren Uhren Vorschrift wenn getaucht wurde. Dabei wurde die Uhr nicht immer am Handgelenk getragen, sondern vor allem in der trüben Ostsee auf einer Pertinaxplatte. Auf das „Navigationsbrett“ wurden im vorliegenden Fall ein sowjetischer Kompass, ein französischer Tiefenmesser und die Glashütter Taucheruhr befestigt. Eine Fallschirmschnur sicherte das Objekt am Körper vor Verlust.


Dabei wurde das Brett vor den Körper gehalten um die Instrumente zur Orientierung immer im Blick zu behalten (siehe Bilder, rechts das originale „Navigationsbrett“ von Kampfschwimmer Thomas König).
Wie dem Brett zu entnehmen, wurden auch die anderen Varianten der Taucheruhr beim KSK-18 genutzt
Alle vier Varianten der Glashütter Uhren rotierten dabei teilweise zeitgleich in der Truppe. Eine neue Uhr ersetzte also nicht die vorhergehende, sondern ergänzte sie.




Auf die Uhren aus Glashütte folgte die allein in der DDR entwickelte Ruhla „Kampfschwimmer“, welche erstmals um 1985 in die Truppe zum Testen kam. Über diesen Prototypen ist noch recht wenig bekannt. Mit seinem unkonventionellen, massiven Gehäuse und orangenem Zifferblatt sticht es in jedem Fall aus der Masse raus.




Warum man sich dann für die Serienuhr für ein konventionelleres Design entschied, muss noch erforscht werden. Die fertigen Uhren wurden 1986/87 im Kampfschwimmerkommando verteilt. Im Gegensatz zu den Glashütter Uhren waren die Ruhlas tatsächlich nahezu KSK exklusiv, weitere Vergaben sind nur an die Marinetaucher bekannt.

Zu dieser Zeit sind aber auch bereits andere Uhren zum KSK-18 gelangt. So wurden Offiziere des Kampfschwimmerkommandos zum Bespiel mit Taucheruhren der Schweizer Marke Nautilus ausgestattet. Auch private Uhren, welche wasserdicht waren, wurden geduldet.
Eine wichtige Frage hatte ich an Thomas König zum Abschluss unseres Gesprächs noch. Warum hat es die DDR nicht geschafft, die sich trotz Mangelwirtschaft technologisch als sehr flexibel gezeigt hat, nicht geschafft, wasserdichte Edelstahlgehäuse herzustellen. König verwies dabei auf die Neopren-Anzüge, die aus Schweden bezogen waren. Wir stellten fest, dass die Abnahmemengen einfach so gering waren, dass ein Aufbau einer eigenen Produktionsanlage nicht rentabel war. Wenngleich zig tausend Uhren erst einmal viel klingen, so ist es doch nichts z.B. im vergleich zu den millionenfach gebauten Spezimatic-Werken. Der Bezug der Edelstahlgehäuse aus dem Ausland, auch wenn es der Klassenfeind war, war einfach logisch und notwendig.
Danke an Thomas für deine Unterstützung!

Noch offene Fragen:
- wie wurden die Uhren zugeteilt
- wie viele Uhren gingen an das KSK-18
- warum hat die letzte Spezichron nur ein 50ATM Gehäuse,
Nachfolgend habe ich alle mir bekannten Bilder zusammengetragen, die Taucheruhren im Bezug auf das KSK-18 zeigen. Auf weitere Zusendungen würde ich mich freuen.










